Babyratgeber
Was Eltern im ersten Jahr am häufigsten nachschlagen, gebündelt und ohne Umwege. Die Angaben orientieren sich an den gängigen Empfehlungen in Deutschland und ersetzen kein Gespräch mit Hebamme oder Kinderarztpraxis.
Sicherer Babyschlaf
Die Schlafumgebung ist der Bereich, in dem sich mit den wenigsten Mitteln am meisten Sicherheit gewinnen lässt.
- Babys schlafen im ersten Jahr auf dem Rücken, auch für den Mittagsschlaf.
- Ein Schlafsack in passender Größe ersetzt Decke und Kissen. Im Bett liegen keine Kuscheltiere, Nestchen oder Felle.
- Die Matratze ist fest und schließt bündig mit dem Bettrahmen ab.
- Das eigene Bett steht im ersten Jahr im Schlafzimmer der Eltern. Das senkt das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich.
- Die Raumtemperatur liegt idealerweise zwischen 16 und 18 Grad. Im Nacken lässt sich prüfen, ob das Kind zu warm liegt.
- In der Wohnung wird nicht geraucht, auch nicht auf dem Balkon mit offener Tür.
Autositz und unterwegs
Der Kindersitz ist die einzige Anschaffung, bei der ein Fehler sofort Folgen hat. Deshalb lohnt sich hier eine Beratung im Fachgeschäft.
- Aktuelle Sitze folgen der Norm i-Size, die sich an der Körpergröße orientiert statt am Gewicht.
- Rückwärtsgerichtet ist Pflicht bis mindestens 15 Monate. Länger rückwärts zu fahren, schützt Kopf und Halswirbelsäule zusätzlich.
- Auf dem Beifahrersitz darf eine Babyschale nur stehen, wenn der Airbag ausgeschaltet ist.
- Dicke Winterjacken gehören nicht unter den Gurt. Der Gurt liegt sonst zu locker an. Eine Decke über den angelegten Gurt ist die bessere Lösung.
- Der Gurt sitzt richtig, wenn zwischen Gurt und Schlüsselbein höchstens eine flache Hand passt.
- Längere Fahrten werden unterbrochen. Für Neugeborene gilt die Babyschale als Transportmittel, nicht als Liegeplatz für Stunden.
Stillen, Flasche und Beikost
Der Beikoststart ist weniger ein Stichtag als ein Zeitfenster. Entscheidend sind die Signale des Kindes.
- Beikost beginnt frühestens mit dem fünften und spätestens mit dem siebten Lebensmonat. Milch bleibt daneben die Hauptnahrung.
- Das Kind ist bereit, wenn es mit Unterstützung sitzt, den Kopf sicher hält und Interesse am Essen zeigt.
- Vitamin D wird in Deutschland im ersten Jahr täglich gegeben, meist zusammen mit Fluorid. Die Dosierung legt die Kinderarztpraxis fest.
- Honig ist im ersten Lebensjahr tabu, auch gekocht oder gebacken.
- Kuhmilch eignet sich nicht als Hauptgetränk im ersten Jahr. Im Brei ist eine kleine Menge unproblematisch.
- Potenzielle Allergene wie Ei, Fisch oder Nussmus früh und regelmäßig anzubieten, beugt Allergien eher vor als sie auszulassen.
- Zum Essen gibt es Wasser aus einem offenen Becher oder Trinklernbecher, keine gesüßten Getränke.
Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen
Die U-Untersuchungen sind kostenlos und an Zeitfenster gebunden. Wer einen Termin verpasst, verliert unter Umständen den Anspruch.
- Das gelbe U-Heft gehört zu jedem Termin mit und wird auch in der Kita oft verlangt.
- Die Impfserie startet nach dem Schema der Ständigen Impfkommission, die Rotavirus-Schluckimpfung bereits ab der sechsten Lebenswoche.
- Termine für die U-Untersuchungen werden früh vereinbart. In vielen Regionen sind Kinderarztpraxen Monate im Voraus ausgebucht.
| Untersuchung | Zeitpunkt |
|---|---|
| U1 | direkt nach der Geburt |
| U2 | 3. bis 10. Lebenstag |
| U3 | 4. bis 5. Lebenswoche |
| U4 | 3. bis 4. Lebensmonat |
| U5 | 6. bis 7. Lebensmonat |
| U6 | 10. bis 12. Lebensmonat |
| U7 | 21. bis 24. Lebensmonat |
| U7a | 34. bis 36. Lebensmonat |
| U8 | 46. bis 48. Lebensmonat |
| U9 | 60. bis 64. Lebensmonat |
Fieber und wann es dringend wird
Die meisten Infekte im ersten Jahr sind harmlos. Es gibt aber Situationen, in denen Abwarten die falsche Entscheidung ist.
- Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt Fieber ab 38 Grad immer als Grund, sofort ärztlich abklären zu lassen.
- Sofort in die Klinik oder den Notruf 112 wählen bei: Atemnot, Krampfanfall, auffälliger Schlappheit, grau oder bläulich verfärbter Haut, punktförmigen Blutungen unter der Haut, die sich mit einem Glas nicht wegdrücken lassen.
- Anhaltendes Erbrechen, Trinkverweigerung über mehrere Mahlzeiten und deutlich weniger nasse Windeln sind Zeichen für drohende Austrocknung.
- Der Giftnotruf hilft rund um die Uhr, wenn das Kind etwas verschluckt hat. Die Nummer der regionalen Zentrale gehört an den Kühlschrank.
- Ein Fieberthermometer für rektales Messen gehört in jede Hausapotheke. Bei Säuglingen ist das die zuverlässigste Methode.
Weinen, Schreiphasen und Schütteltrauma
In den ersten Monaten steigt das Weinen oft an und erreicht um die sechste Lebenswoche einen Höhepunkt. Das ist anstrengend und normal.
- Ein Baby lässt sich nicht verwöhnen. Schnelles Reagieren auf Weinen stärkt die Bindung.
- Ein Kind darf niemals geschüttelt werden. Schütteln verursacht binnen Sekunden schwere, bleibende Hirnschäden.
- Wenn die Belastung zu groß wird: Kind sicher ins Bett legen, Tür schließen, ein paar Minuten durchatmen und Hilfe holen. Ein schreiendes Kind im Bett ist sicherer als ein überfordertes Elternteil auf dem Arm.
- Schreiambulanzen und die Nachsorgehebamme helfen bei anhaltendem Schreien weiter. Auch eine Kinderarztpraxis kann körperliche Ursachen ausschließen.
Sicherheit in der Wohnung
Der richtige Zeitpunkt zum Kindersichern ist, bevor das Kind mobil wird. Meist bleiben dafür nur wenige Wochen.
- Hohe Möbel, Regale und Fernseher werden an der Wand verankert. Kippende Möbel gehören zu den häufigsten schweren Unfällen im Haushalt.
- Treppengitter kommen oben und unten an die Treppe, bevor das Kind krabbelt.
- Reinigungsmittel, Medikamente und Kapseln wandern nach oben oder in abschließbare Schränke.
- Die Wassertemperatur am Boiler wird begrenzt. Zum Baden sind rund 37 Grad richtig, geprüft mit dem Thermometer.
- Von Lauflernhilfen, auch Gehfrei genannt, raten Kinderärzte ab. Sie erhöhen die Unfallgefahr und helfen beim Laufenlernen nicht.
- Kordeln, Schnüre und Rollo-Ketten gehören außer Reichweite des Bettes.
Entwicklung und Meilensteine
Die Spannbreite ist groß. Ein Kind, das spät läuft, ist deshalb weder langsamer noch weniger weit. Auffällig ist eher, wenn Fähigkeiten verloren gehen.
- Bauchlage im Wachzustand von Anfang an, kurz und mehrmals täglich. Sie kräftigt Nacken und Schultern.
- Vorlesen lohnt sich bereits im ersten Jahr, lange bevor das Kind spricht.
- Bei Sorgen um Hören, Sehen oder Bewegung ist die U-Untersuchung der richtige Anlass, das anzusprechen.
| Ungefähr | Was oft dazukommt |
|---|---|
| 6 bis 8 Wochen | erstes bewusstes Lächeln |
| 3 bis 5 Monate | greift gezielt, dreht sich |
| 6 bis 9 Monate | sitzt frei, beginnt zu robben |
| 9 bis 12 Monate | zieht sich hoch, läuft an Möbeln entlang |
| 12 bis 18 Monate | erste freie Schritte, erste Wörter |
| 18 bis 24 Monate | Zweiwortsätze, rennt und klettert |
Zahnen und Zahnpflege
Der erste Zahn kommt meist zwischen dem sechsten und zehnten Monat, manchmal deutlich früher oder später.
- Das Sabbern beginnt oft Monate vor dem ersten Zahn, meist um den dritten bis vierten Monat. Dreieckstücher zum Wechseln sind in dieser Zeit das meistgebrauchte Textil im Haushalt. Zwanzig Stück klingen nach viel und reichen an nassen Tagen gerade so.
- Ständig feuchte Haut an Kinn und Hals wird schnell wund. Tuch wechseln statt trockenreiben, und abends eine fetthaltige Creme auf die gereizten Stellen.
- Die Reihenfolge ist fast immer gleich: zuerst die beiden unteren Schneidezähne, dann die oberen. Das vollständige Milchgebiss mit zwanzig Zähnen ist meist um den dritten Geburtstag herum da.
- Geputzt wird, sobald der erste Zahn da ist, zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Kinderzahnpasta.
- Gekühlte Beißringe und ein sauberer Waschlappen zum Kauen lindern den Druck beim Zahnen.
- Dauernuckeln an gesüßten Getränken oder Saftschorlen verursacht früh Karies. Wasser ist das Getränk zwischendurch.
- Zahnen erklärt kein hohes Fieber. Eine Untersuchung von 475 Zahndurchbrüchen fand keinen einzigen Fall, in dem eine Temperatur über 38,9 Grad auf das Zahnen zurückging. Kommen Fieber, Durchfall, Husten oder Erbrechen dazu, steckt ein Infekt dahinter und gehört abgeklärt.
- Dass beides oft zusammenfällt, hat einen Grund: Ab etwa vier Monaten lässt der Nestschutz der Mutter nach, und gleichzeitig wandert alles in den Mund. Die Infekte häufen sich also genau dann, wenn auch die Zähne kommen.
- Von Bernsteinketten raten Kinderzahnärzte ausdrücklich ab. Eine schmerzlindernde Wirkung ist nicht belegt, das Strangulationsrisiko dagegen real, und gelöste Perlen können verschluckt werden. Auch nicht als Armband und nicht im Schlaf.
- Zahnungsgele mit betäubenden Wirkstoffen sind höchstens etwas für einzelne sehr schlechte Nächte und gehören vorher in die Beratung von Kinderarztpraxis oder Apotheke. Für den Dauergebrauch sind sie nicht gedacht.
- Die erste zahnärztliche Untersuchung ist ab dem sechsten Lebensmonat vorgesehen.
Haut, Baden und Sonne
Babyhaut braucht weniger Produkte, als der Drogeriemarkt nahelegt.
- Ein- bis zweimal Baden pro Woche reicht. Häufiges Baden trocknet die Haut aus.
- Bei wundem Po hilft vor allem Luft. Windelfreie Zeit auf einem Handtuch wirkt oft besser als jede Creme.
- Babys unter sechs Monaten gehören nicht in die direkte Sonne. Schatten, leichte Kleidung und ein Hut sind der beste Schutz.
- Sonnencreme wird bei Babys nur auf den Stellen verwendet, die sich nicht durch Kleidung schützen lassen.
Kleidergrößen nach Alter
Die Größen sind Anhaltspunkte. Kinder wachsen in Schüben und selten nach Tabelle.
- Für die Erstausstattung lohnt sich wenig in Größe 50. Viele Neugeborene passen schon nach zwei Wochen in 56.
- Bodys mit amerikanischem Ausschnitt lassen sich nach unten ausziehen, wenn oben etwas danebengeht.
| Alter | Größe |
|---|---|
| Frühgeborene | 44 bis 50 |
| 0 bis 2 Monate | 50 bis 56 |
| 2 bis 4 Monate | 62 |
| 4 bis 6 Monate | 68 |
| 6 bis 12 Monate | 74 bis 80 |
| 12 bis 18 Monate | 86 |
| 18 bis 24 Monate | 92 |
| 2 bis 3 Jahre | 98 |
| 3 bis 4 Jahre | 104 |
Anträge und Fristen nach der Geburt
Der Papierkram lässt sich gut in den ersten Wochen erledigen, solange die Fristen noch großzügig sind.
- Die Geburt wird innerhalb einer Woche beim Standesamt angezeigt. Kliniken übernehmen das meist, die Urkunden werden dort beantragt.
- Elterngeld wird rückwirkend nur für die letzten drei Lebensmonate gezahlt. Der Antrag lohnt sich früh.
- Kindergeld wird rückwirkend nur für sechs Monate gezahlt und bei der Familienkasse beantragt.
- Die Anmeldung bei der Krankenkasse erfolgt kurz nach der Geburt, dafür wird die Geburtsbescheinigung benötigt.
- Die Nachsorge durch eine Hebamme steht jeder Familie zu und wird von der Krankenkasse bezahlt. Die Suche startet am besten in der Schwangerschaft.
Häufige Fragen
Wann darf ein Baby Beikost bekommen?
Frühestens mit Beginn des fünften und spätestens mit Beginn des siebten Lebensmonats. Das Kind sollte mit Unterstützung sitzen können, den Kopf sicher halten und Interesse am Essen zeigen. Milch bleibt in dieser Zeit die Hauptnahrung.
Wie lange muss ein Kind rückwärts im Auto fahren?
Nach der Norm i-Size mindestens bis zum Alter von 15 Monaten. Fachleute empfehlen, deutlich länger rückwärtsgerichtet zu fahren, weil Kopf und Halswirbelsäule dabei besser geschützt sind.
Ab welcher Temperatur muss ich mit einem Baby zum Arzt?
Bei Säuglingen unter drei Monaten ist Fieber ab 38 Grad immer ein Grund, sofort ärztlich abklären zu lassen. Bei älteren Babys zählt vor allem der Gesamteindruck: Trinkverhalten, Wachheit und Atmung sagen mehr aus als der Zahlenwert.
Wie viel Schlaf braucht ein Baby?
Neugeborene schlafen verteilt über Tag und Nacht oft 14 bis 17 Stunden, mit einem Jahr sind es meist 12 bis 15 Stunden inklusive Mittagsschlaf. Die Unterschiede zwischen einzelnen Kindern sind groß.
Welche Erstausstattung braucht man wirklich?
Ein sicherer Schlafplatz, ein Autositz, Wickelmöglichkeit und Wickelzubehör, etwa acht Bodys und Strampler in Größe 56 und 62, Musselintücher, ein Tragetuch oder eine Trage und je nach Ernährung Stillzubehör oder Flaschen. Alles Weitere lässt sich nachkaufen.
Warum darf ein Baby keinen Honig bekommen?
Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Im unreifen Darm von Säuglingen können diese Sporen auskeimen und Säuglingsbotulismus auslösen. Erhitzen zerstört die Sporen nicht zuverlässig, deshalb gilt das Verbot im gesamten ersten Lebensjahr.
Produkte nach Phase
Zu jeder Phase stehen auf der Startseite die Empfehlungen, die zu diesem Alter passen.
- Vor der GeburtVorbereiten und ankommen
- 0 bis 1 MonatDas vierte Trimester
- 1 bis 2 MonateBlickkontakt und erste Wachphasen
- 3 MonateGreifen und entdecken
- 4 bis 6 MonateBeikost beginnt
- 6 bis 9 MonateMit am Tisch
- 9 bis 12 MonateAufstehen und loslaufen
- 12 bis 18 MonateDie ersten Schritte
- 18 bis 24 MonateUnterwegs auf eigenen Rädern
- 2 bis 3 JahreNachspielen und begreifen
- 3 bis 4 JahreBereit für draußen
Wichtiger Hinweis
Dieser Ratgeber fasst allgemeine Empfehlungen zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes sind Hebamme und Kinderarztpraxis die richtigen Ansprechpartner. Im Notfall gilt die 112.